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 Die Nachtwächter 2006                                      Foto: R. Frömmer

Hörnerklang und „Hört Ihr Leut und laßt Euch sagen….“ werden am 18.06.2016 wieder in Obermarsberg zum Patronatsfest erschallen. Im 25. Jahr nach Gründung der Obermarsberger Nachtwächter. Die Anregung zur Gründung kam von Freunden aus Belecke, die 1988 zum 1050 jährigen Bestehen ihrer Stadt eine Nachtwächterzunft gegründet hatten. Mit Rat und Tat standen sie uns zur Seite, damit auch wir bei uns dieser Tradition folgen konnten. Bei regelmäßigen Treffen mit den Beleckern hatten die Oberstädter die Gelegenheit, sich auch mit Nachtwächtern aus ganz Europa zu treffen und auszutauschen. Man kam zusammen u.a. mit Dänen, Briten, Niederländern, Polen, Schweizern  und Bayern, die uns immer recht herzlich von ihrem „Himmlischen Vater Franz-Josef“ grüßen ließen. Der Beruf des Nachtwächters ist so alt wie auch mittelalterlichen Städte und Gemeinden. Der Nachtwächter hatte eine wichtige Schutzfunktion. Er warnte vor Feuer und Feinden und verhinderte vor allem Diebstähle. Seine Wichtigkeit wurde einst in Padberg bewiesen. Aus Geldmangel oder Geiz verzichtete man dort auf den Mann in schwarz. Sofort stieg die Diebstahlrate und man war gezwungen, die Stelle erneut zu besetzen. In manchen Orten war der Nachtwächter auch Ortsdiener und Flurschütze. In den unruhigen Zeiten des 17. Jahrhunderts (30jähriger Krieg) gingen die Nachtwächter mit sogenanntem Bürgerschutz. Es wurden ihm bis zu vier unbescholtenen Bürger beigeordnet. Einstellungskriterien waren hoch: Der Nachtwächter hatte gesund, unerschrocken und kräftig zu sein, er musste den besten Leumund besitzen, sowie Lesen und Schreiben können. Da man einmal einen Nachtwächter betrunken von der Straße aufgelesen hatte, wurde bei den sogenannten Eigenschaften noch die „Trinkfestigkeit“ beigefügt. Für einen Sauerländer kein Problem. Mit Horn, Hellebarde und Laterne ausgerüstet wurde die Uhrzeit ausgerufen; teilweise nur mit einem Stoß ins Horn und oder mit einem Stundenlied. Eine inoffizielle Pflicht des Nachtwächters bestand darin, vor den Häusern von Frischvermählten stündlich in der Hochzeitsnacht zu „tuten“ um zu gewährleisten, dass die Geburtenrate anstieg. Dies war aber auch abhängig von der Höhe der „Bestechungssumme“ von Braut oder Bräutigam (Quelle: Belecker NW-Zunft). Häufig war das Ergebnis der „Lärmbelästigung“ nach 9 Monaten sichtbar vor dem Taufbecken anzutreffen. Der letzte offizielle Nachtwächter war Franz Bracht. 1918 aus dem ersten Weltkrieg heimgekehrt, übernahm er das Amt nebenberuflich. In der Zeit der Weimarer Republik (Weltwirtschaftskrise, Arbeitslosigkeit und unerträgliche politische Zustände) ging Nachtwächter Bracht still mit seinem Schäferhundmischling „Pull“ seine Runden; bediente die Stechuhren am Bürgermeisteramt, der Stiftskirche, in der Pagenstraße, an Priggers Haus (Heute Haus Kloke Ecke Mönchhofstr./Kohlbett) und am Südtor. Angaben über Zeiten der Rundgänge schwanken: 22 Uhr – 4 Uhr / 0 Uhr – 6 Uhr. Heute lebt keiner der randalierenden Gelegenheitszecher mehr, die Franz Bracht zur Ausnüchterung in  Spritzenhaus expedierte. Bei „schweren Jungs“ erhielt der Nachtwächter Amtshilfe von „Pull“ seinem Hund und dann von Polizist Plemper. Zwei Zunftbrüder setzen seit 1991 die Familien- und örtliche Tradition fort. Franz Brachts Enkel: Friedhelm Bracht und Franz Sprenger. Auf gar keinen Fall unerwähnt bleiben darf  Ernst Bunse, der im Jahre 1972 im Rahmen der 1200 Jahrfeier die Nachfolge von Franz Bracht antrat. Im Juni des Jahres erklang sein kräftiger, volltönender Bassgesang in den Gassen und Straßen Obermarsberg. Am 18.06.2016 also ist es soweit: Beginn 17:30 – 18:00 Uhr. Wir erwarten eine Abordnung unserer Freunde aus Belecke und der Hoppecker Nachtwächter, sowie den historischen Trommler- und Pfeifercorps Obermarsberg. Für Essen und reichliches Trinken wird gesorgt. Keine muss mit Feldflasche und Bütterken kommen. Für 18:30 Uhr ist eine „Nachtwächter-Olympiade“ vor der Nikolaikirche geplant. Der erste Rundgang erfolgt ab 20 Uhr von der Nikolaikirche aus. Wir rufen jetzt schon allen Gästen und Besuchern ein dreifaches „Licht aus, Licht aus, LAMPE an!“ zu.

 

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